Bauen in Sieben Linden

Da das Ökodorf „auf der grünen Wiese“ entsteht, hat das nachhaltige Bauen, eine zentrale Bedeutung. Hier gelten bindende und strenge Baukriterien (in einer Satzung festgehalten, z.B. betreffend Niedrigenergiestandard, Baumaterialien, Raumbedarf, Einbindung ins Ganze ...).
Die Baukriterien einzuhalten, dabei gleichzeitig Ästhetik, Komfort und soziale Ansprüche an die Architektur zu berücksichtigen, ist nicht ganz einfach. Und dann muss man es sich auch noch leisten (zeitlich oder finanziell) können. Viele Träume wurden geträumt und an den ökologischen und ökonomischen Vorgaben zurechtgestutzt. Aus dem runden Traumhaus wurde schon so manches Eckige. Der erste Blick in das Dorf löst in vielen Menschen Verwunderung aus, da sie mit einem alternativen Leben, auch kreativeres Bauen verbinden. Das geht auch vielen BewohnerInnen so und es wird weiter geforscht an machbaren ökologischen Formen.
Als alternative Baustoffe werden vor allem Holz, Lehm, Strohballen, „Isoflock“ und Hanf verwendet. An der Entwicklung des Strohballenbaus in Deutschland bis hin zur „Allgemeinen Baustoffzulassung“ haben die Bauprojekte in Sieben Lindenin Zusammenarbeit mit dem Fachverband Strohballenbau
maßgeblichen Anteil.

Das Wohnen in Bauwagen ist als Übergang akzeptiert. Das Bauwagenleben wird von den einen notgedrungen ausgehalten, von den anderen als naturnahes Wohnen geliebt. In der Zukunft sollen nur noch etwa 10 % der BewohnerInnen in Bauwagen leben. Auch „kleine Bauten“, d.h. kleine Bauwagenähnliche feste Behausungen, werden von einigen favorisiert, doch sind ökologische Fragen und die Einhaltung der Baukriterien bisher ungeklärt.

Siedlungsplanung


Der Entwicklung des Bebauungsplanes liegt ein reichhaltiger Schatz an Siedlungsentwürfen zu Grunde. Nach der Standortklärung wurde ein umfangreicher Siedlungsplanungsprozess begonnen, der vor allem mit Methoden aus der Permakultur arbeitete. So wurde damals bereits die Einteilung in Wohngebiete, Gewerbezone, Biotope, Randzonen und öffentlichere Bereiche festgelegt. Diese Festlegung läßt dennoch einigen Spielraum. Die Siedlungsplanungsgruppe bearbeitet kontinuierlich einzelne Vorhaben (vom Kompostklo bis zur Wohnanlage) und ihre räumliche Einbindung. Jedes entstehende Gebäude ist ein gestaltendes Element, das die Zukunft determiniert. Unter Einbeziehung von architektonischen Fragen, Permakultur-Planung, Geomantie-Wissen arbeiten sie daran, immer das Gesamtbild im Auge zu behalten und trotzdem entscheidungsfähig zu bleiben.

Alles weitere zu Permakultur, Siedlungsplanungsgeschichte in Sieben Linden und Angeboten zu diesem Thema siehe Permakultur und Siedlungsplanung

Die Häuser


Die Nachbarschaften werden hier beschrieben

  • In den Jahren 1998/1999 wurde das heutige Regiohaus ausgebaut. Unter tatkräftiger Mithilfe von freireisenden GesellInnen und vielen Bauhelfern wurde der Backsteinbau völlig entkernt und bekam einen neuen Dachstuhl. Das Haus wurde außen mit Isofloc gedämmt und bekam eine Verschalung mit Lärchenholz. Es entstanden Räume für den Seminarbetrieb (Schlafräume, ein großer Seminarraum), eine Großküche und mehrere Essräume, sanitäre Einrichtungen, eine Bibliothek und ein Kinderzimmer.

  • In den Jahren 2001/2002 wurde der „Nordriegel“ renoviert. Hier wurde eine Innendämmung mit Strohballen vorgenommen. Es entstanden weitere Schlafräume für den Seminarbetrieb, ein großer Gemeinschaftsraum, ein Büro und Räume für unsere „Ladenzeile“: Bioladen, Schmuckschmiede, Art Depot und eine Praxis für Coaching.

  • Die ersten Wohnhäuser wurden 2000/2001 fertig gestellt: Die Nachbarschaft „81,5“ (so benannt nach dem Holz-Rahmenmaß der Häuser) begann im April 2000 mit dem Bau der ersten Wohnhäuser (für ca. 20 Menschen) im Niedrigenergiestandard. Bauherrin ist die Wohnungsgenossenschaft. Im November 2000 zogen die ersten BewohnerInnen ein- unter ihnen viele Kinder.

  • Die Nachbarschaft Club 99 begann 2001 mit dem Bau ihres Gemeinschaftshauses „Villa Strohbund“ . Gemäß ihren Grundsätzen wurde das Haus von Hand und mit ausschließlich regionalen Baustoffen gebaut. Im Haus befinden sich eine Großküche und ein großer Gemeinschaftsraum. In 2004 war das Haus komplett fertig gestellt. Im selben Jahr werden zwei Strohballenkuppeln gebaut, eine als Badekuppel, die andere als Wohnraum. 2007 befindet sich die „Villa Communia“ im Neubau. Hier werden im Vergleich zur „Villa Strohbund“ baulich einige Kompromisse gemacht (z.B. Einsatz von Maschinen). Die Villa Communiaein einfaches Wohnhaus für 5 Personen und ein Büro, ein Holzfachwerkhaus mit Strohballendämmung.

  • Über eine neu gegründete GmbH wurde in 2003 eine Holzwerkstatt gebaut, in Holzrahmenbauweise mit Niedrigenergie-Standard. Im Erdgeschoss bietet sie einen großen Raum für professionelle Tischlerarbeiten. Im Obergeschoss entstanden zwei kleinere Räume (Büro + Haustechnik-Werkstatt, Drechslerwerkstatt) und eine sogenannte „Selbsthilfewerkstatt“: Hier können die BewohnerInnen Holz-, Papier-, Näh- und andere Arbeiten erledigen.

  • Seit 1999 bewohnen einige ÖkodörflerInnen ein Haus in Poppau: den „Poppauer Hof“ . Über die Jahre hinweg entwickelte sich hier eine Wohngruppe. 2004 wurde das Gebäude von der Wohnungsgenossenschaft für den symbolischen Preis von 1 Euro gekauft. Die kommenden Jahre werden der ökologischen Sanierung gewidmet. Bisher sind die meisten Fenster ausgetauscht und das Dach gedämmt worden, die Öl- durch eine Holzheizung ersetzt worden, es wurden neue Räume sogar mit Terasse zum Innenhof ausgebaut.

  • 2004 wurde das damals größte Strohballenhaus Europas fertiggestellt, das 3 stöckige „Strohpolis“ . Hier wohnen ca. 20 Menschen in Wohngemeinschaften oder Appartments. Außerdem findet sich hier eine Einmachküche. Das Haus ist in Holzständerbauweise errichtet mit Strohballen gedämmt, mit Lehm verputzt. Der Bau dieses Hauses wurde begleitet vom Genehmigungsverfahren des Baustoffes Strohballen für die „Allgemeine Baustoffzulassung“, die 2006 dann endlich errungen wurde.

  • In 2007 bezog die Nachbarschaft „Brunnenwiese“ ihr Spiralhaus, das einen großen Gemeinschaftsraum und Wohnraum für bis zu 8 Menschen birgt. Besonderheiten sind die spiralförmige Anordnung der Zimmer um den sog. „Warmen Kern“ - einem Grundofen in der Hausmitte. Das Haus wurde im Erdgeschoss mit Hanf, im Obergeschoss mit Stroh gedämmt und ebenfalls mit Lehm verputzt.

  • Die Südwestecke Sieben Lindens wird seit 2004 auf eine ganz eigene Art erschlossen. Didi und Milan Müller sind die Schöpfer von „Globolo“ . Über die Jahre enstanden drei Jurten, zwei Weidenkuppeln und ein bepflanzter Wandelgang. Angrenzend wurde 2006 ein weiteres Feuchtbiotop angelegt. Es ist ein Ort für Stille und Begegnung, aber auch zum Wohnen.

  • 2008 entstand das Wohnhaus der Nachbarschaft Windrose. Es steht auf der Nordostecke des Südwestfeldes (daher der Name) und wurde in Holzständerbauweise mit Strohballendämmung errichtet. Erstmals wurde hier ausprobiert, die Strohballenwände in einer Halle vorzufertigen (sogar mit Unterputz) und dann mit dem Kran aufzubauen. Das macht die Baustelle Wetterunabhängiger und es kann frühzeitiger mit dem Strohballenbau begonnen werden. Hier wohnen 9 Erwachsene 6 Kinder Erwachsene.
  • 2010 ensteht das Passivhaus "Libelle", große Kollektorflächen und eine großer Solarwasserspeicher gewähren den Bewohner_innen Wärme, auch wenn die Sonne mal nicht scheint. Der Energiewerbrauch für Warmwasser und Heizen liegt bei diesem haus unter 300 kWh pro Jahr und Mensch.


  • (aktualisiert 7/10)

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